An den Ex-Nachbarn -- Fun Stories bei Meierspage.de

An den Ex-Nachbarn

Lieber Ex-Nachbar,

wenn du wüßtest, wie sehr wir dich vermissen! Seit du ausgezogen bist, ist es in unserem Haus so unerträglich ruhig und langweilig geworden.

Als wir in der Wohnung über dir eingezogen sind, wußten wir noch gar nicht, was für ein günstiges Schnäppchen wir mit dieser Wohnung gemacht hatten. Hatten wir uns anfangs noch über die schöne Wohnung und die ruhige Wohnlage gefreut, durften wir zu unserer freudigen Überraschung bald feststellen, daß es im Haus auch kostenlose Freizeitunterhaltung gab. Und das alles ohne Aufpreis!

Wir wurden mehrmals pro Woche auf dem laufenden gehalten, was die neuesten Werke der Schlagermusik betraf. Und da du und deine Freundin euch so sehr mochtet, haben wir auch immer wieder neue Vokabeln dazu lernen können. (Nach einer Weile bin ich sogar gar nicht mehr rot geworden.) Ich fand es wirklich sehr nett, daß ihr die Wörter laut genug gerufen habt, damit wir sie auch verstehen konnten. Es war nur schade, daß du teilweise so eine nuschelige Aussprache hattest. Aber es war ja bei euch immer sehr warm, da muß man viel trinken, das ist gesund.

Weil wir die Musik so schön fanden und wir dir das hin und wieder sogar gesagt haben, hast du uns jeden Sonntagmorgen eine besondere Freude gemacht: Spätestens ab 10:00 Uhr gab es Disko! Das fand ich klasse. Hattest du eigentlich deine Boxen unter unserem Schlafzimmer an deine Zimmerdecke geschraubt? Der Sound war echt genial! Schade, daß du dich über mein freundlich gehauchtes "Dankeschön" eines Sonntagmorgens nicht richtig freuen konntest. Meine Schuld, wenn ich mir nicht einen anderen Tag zum Ausschlafen aussuche. Das konntest du natürlich nicht verstehen, weil du ja auch an Werktagen länger schlafen konntest als wir. Ist ja auch nicht dein Problem, wenn andere Leute schon so früh schlafen gehen, während du noch ein bißchen schöne Musik hören und nett mit deiner Freundin plaudern oder schmusen wolltest. Dafür war sie ja manchmal wirklich gemein zu dir, bloß weil sie nicht wollte und dir das auch noch gesagt hat.

Du hast auch immer dafür gesorgt, daß uns nicht langweilig wurde, wenn ihr beide nicht zu Hause wart. Dann hat uns euer Hund gut unterhalten. Wie schön, daß euch selbst die Hausverwaltung nicht davon überzeugen konnte, diese lästige Tier ab und zu mal irgendwohin mitzunehmen. Dafür hattet ihr es mit diesem Köter ja zum Glück sehr bequem. Wenn man eine Wiese hinterm Haus hat, muß man nicht so viel laufen. Es reicht, die Tür zu öffnen, dann kann das doofe Vieh ja auch alleine rausgehen. Und wenn die Nachbarn mit Treppe putzen dran waren, war es ja auch egal, wenn man neben dem ganzen anderen Dreck noch ein bißchen Hundepipi mit weggeputzt hat, das ging ja ganz leicht und hat auch kaum gerochen. Das haben auch alle immer gerne gemacht.

Einen Trick müßtest du noch verraten: Wie habt ihr diesen Duft in eurer Wohnung hinbekommen? Daß du geraucht hast, weiß ich. Ich habe für dich auch immer ganz doll gehofft, daß du mit der Zigarette nicht einschläfst, wenn du vorher wieder deinen gemeinen großen Durst löschen mußtest. Wirklich, das hatte nichts damit zu tun, daß wir über dir gewohnt haben, ich habe mir ganz alleine um dich Sorgen gemacht! Aber nur Zigarettenrauch war das nicht, das hatte so eine besondere Note. Haarspray? Billiges Parfüm? Schimmelige Essensreste? Und wie habt ihr das alles so gut mischen können, wo ihr doch immer die Fenster gekippt hattet? Aber hättet ihr die Fenster geschlossen, hättet ihr uns um diesen einmaligen Genuß gebracht, um den uns auch alle beneidet haben, die an eurer Wohnung vorbeigegangen sind. Ich komme mir im nachhinein albern vor, daß ich immer erst mal den Kopf aus dem Fenster gestreckt und geschnuppert habe, bevor ich mich zum Lüften oder Fenster schließen entschlossen habe.

Und es ist ja wirklich nicht deine Schuld gewesen, daß das Haus einen baulichen Mangel hat. Du hast halt nur den Ventilator am Lüftungsschacht im Gästeklo kurz zum Lüften angemacht, nur für ein paar Stunden oder höchstens mal einen Tag oder eine Nacht. Es ist nicht deine Schuld, daß das aus unserem Lüftungsschacht wieder rausgequollen ist. Es hat uns wirklich nichts ausgemacht, wenn wir unseren Ventilator dann auch ein bißchen einschalten mußten. Wenn man schläft, hört man ihn fast gar nicht. Wir haben uns auch immer ganz doll gefreut, wenn wir nach Hause gekommen sind, und du hattest den ganzen Tag gelüftet und unsere ganze Wohnung hat nach dir geduftet.

Daß deine Freundin irgendwann ausgezogen ist, hat uns sehr leid getan. Ihr beide habt unseren Kreislauf immer so gut in Schwung gehalten, indem ihr euch so freundlich unterhalten habt, wenn wir einzuschlafen drohten. Auch wußtet ihr den Überraschungseffekt einer geschickt zugeknallten Tür oder eines herumgeworfenen Gegenstandes gut zu nutzen.

Ich möchte mich dafür entschuldigen, daß wir dir den Spaß verdorben haben, als deine Freundin so begeisterte Ausrufe getan hat, als du sie mal wieder zärtlich streicheln wolltest. Das mit der Polizei war von uns wirklich übertrieben. Tut mir echt leid!

Ich habe gar nicht verstanden, daß sie dich trotz eurem harmonischen Zusammenleben dann doch verlassen hat. Wir konnten uns ja schon 1 ½ Jahre davon überzeugen, wie sehr ihr beide euch liebt und versteht, und das war doch bestimmt schon so, bevor wir eingezogen sind?

Daß du dann drei Monate später auch aus der Wohnung ausziehen mußtest, war echt gemein. Aber du hattest ja keine Zeit, Geld verdienen zu gehen, weil du mit deinen Kumpels so wichtige Treffen hattest. Ich weiß jetzt nicht so genau, was ihr da besprochen habt, aber es hatte was mit der Getränkeindustrie zu tun. Naja, tröste dich, wenigstens konntest du nochmal 'ne echt geile Abschiedsparty feiern. Und drei Tage waren wirklich nicht viel. Ich staune immer noch, daß ich mich getraut habe, eure gesellige Runde zu stören, nur weil von eurer schönen Schlagermusik unser Fußboden vibriert hat. Dabei ist das doch ein Neubau mit Betondecken, das muß am Haus liegen. Aber eure Akustik da unten war unübertroffen. Gut, daß deine undankbare Tussi ihre lästigen Möbel mitgenommen hat!

Ich hoffe, du findest mich nicht unhöflich, wenn ich dich beim Einkaufen oder Spazierengehen gelegentlich auf einem Fußweg an unserem schönen Fluß treffe. Ich hab leider unheimlich wenig Zeit, mich mit dir zu unterhalten und ich muß auch immer ganz zufällig irgendwo abbiegen, bevor ich an der Stelle, wo du mit deinen netten Kumpels tagst, vorbeigehen kann. Sorry!

Aber was ich ganz toll finde, ist, daß deine Tussi dich wieder durch die Gegend kutschieren darf und du sie dabei sein läßt, wenn du ein Treffen hast. Was sollte diese arme Frau auch ohne dich tun? Ich kann sie gut verstehen, was besseres als dich kann sie wirklich nicht bekommen.

Tja, was soll ich von unserem Haus noch erzählen? Es ist wirklich öde geworden. Die Wohnung stand fast fünf Monate leer, nur ein Maler war zwischendurch da und hat renoviert. Und jetzt ist vor ein paar Wochen ein junges Ehepaar mit einem Baby eingezogen. Die fanden aber wohl, daß der Teppich und die überstrichene Tapete nicht so gut rochen und haben deswegen alles ausgerissen und neu gemacht. Also, ich fand, das hat gut geduftet, es hat mich irgendwie an dich erinnert.

Das Baby muß leider noch üben, es hat halt nicht dein Stimmvolumen, und überhaupt scheinen die drei nie da zu sein, oder sie sind absichtlich leise, um uns zu ärgern. Ist das nicht gemein? Ich müßte eigentlich die Miete kürzen, weil diese neuen Nachbarn gar nichts mehr zu unserer Unterhaltung beitragen. Nichtmal dieses doofe, doofe Kind. Ich habe es erst ein oder zweimal gehört, als seine Eltern mit ihm auf der Terrasse saßen. Im Schlafzimmer ist es jetzt immer so leise, daß ich abends noch was Lesen oder mich mit meinem Mann unterhalten muß, weil ich nicht einfach so ohne deine Abendvorstellung einschlafen kann.

Aber man kann sich die Nachbarn ja leider nicht aussuchen. Mach‘s gut!

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